I.Mannschaft

Eigentlich war es geplant, dass ich gestern beim Heimspiel unserer ersten Mannschaft gegen den SSV Würgassen zugegen bin, doch aus einem traurigen Anlass kam es anders. Im Umfeld des SSV gab es einen Trauerfall, wodurch man uns als Ausrichter bat, das Spiel zu verlegen. Selbstverständlich wurde dieser Bitte entsprochen, das Spiel wurde auf einen noch unbekannten späteren Termin verlegt.

II.Mannschaft

Aufgrund dieser wenig erfreulichen Umstände konnte ich also nun doch das Spiel unserer zweiten Mannschaft beim SSV Herlinghausen besuchen, welches ursprünglich zeitgleich, also ebenfalls um 15.00 Uhr angesetzt war. So machten wir uns – Torwartlegende Bernd Rohde war Fahrer – um 14.20 Uhr auf den Weg in Richtung Herlinghausen, machten einen Zwischenstopp in Nörde, wo wir den etatmäßigen, aber leider immer noch verletzten (der eigens bei IKEA erworbene Ersatz-Holzfuß „Gudpöl“ sitzt noch nicht richtig) Kapitän Daniel Sommer zuluden.

Als wir in Herlinghausen eintrafen, herrschte herrlichstes Herbst-, aber doch eher Spätsommerwetter, es war angenehm warm und es herrschte eine angenehme Brise. Hatte es morgens noch geregnet, entschied sich das Wetter im Verlaufe des Nachmittags dann doch, sich eines schönen Fußballspiels würdig zu erweisen. Pünktlich zum Spiel konnte es für Mitte Oktober nicht besser sein.

Bisher war es mir nicht vergönnt, ein Spiel in Herlinghausen live zu verfolgen, also war es für mich eine Premiere. Die dortige Sportanlage liegt an einem bewaldeten Hang, ist somit idyllisch gelegen, mir tun nur die Fans, die nach dem Kick ein wenig länger verweilen, etwas leid, die den dann wahrscheinlich gefühlt immer steiler werdenden Weg ins Dorf zurück erklimmen beziehungsweise ich da hochquälen müssen. Ein ansehnliches Sportheim mit großzügigem Unterstand fügt sich nahtlos in den positiven Gesamteindruck ein. Dass die Brauerei Kohlschein fußläufig gut zu erreichen ist, ist ein weiterer Pluspunkt (so lange wie Schwafel-Schwene immer unterwegs war, um Kaltgetränke zu erwerben, hat er diese sicherlich direkt dort abgeholt. Neues Fass, jaja). So ergab sich am gestrigen Nachmittag vor herbstlicher Kulisse ein schöner Gesamtanblick.

Aus Bonenburg waren einige Fans mitgekommen, auch einige Akteure der unfreiwillig spielfreien ersten Mannschaft, sowie die üblichen Verdächtigen. Ein üblicher Verdächtiger pfiff zu meiner Überraschung auch das Spiel, Friedrich Niemeier war mal wieder eingesprungen, diesmal für Elmar Scherf. So oft wie Friedrich uns pfeift, ist er schon als Vereinsmitglied ehrenhalber zu betrachten.

Das einzige, was mich ein wenig irritierte, war die Geräuschkulisse, die manch einer auf Nachfrage als Musik definierte. Dem konnte ich nicht ganz folgen. Über Geschmack kann man streiten, über keinen Geschmack halt nicht. Aber mit dieser sinnfreien Geräuschfolge kann man sicherlich ganz gut Maulwürfe vertreiben.

Als die Anlage dann endlich verstummte, wurde es erst einmal wirklich still, denn nach einem abermaligen Foto für die Toleranz-Aktion des Sportkreises gab es zunächst eine Schweigeminute im Gedenken an die Opfer des feigen und hinterhältigen Anschlags im Laufe der vergangenen Woche an (zum Glück nicht in) einer Synagoge und deren Umfeld in Halle/Saale. Erschütternd, dass man sich in diesem Land im Jahr 2019 mit solchen Vorgängen auseinandersetzen muss.

Anpfiff

Doch dann konnte es losgehen, pünktlich pfiff Friedrich an. Der (in gewöhnungsbedürftigen Trikots antretende) SSV Herlinghausen, als eine von nur zwei ersten Mannschaften in der C-Liga Staffel III unterwegs, war souveräner Tabellenführer und somit Favorit. Auf den Aufstieg und ein bisschen auch in der Partie gegen den großartigen SV 21 Bonenburg II, in dessen Mannschaft an diesem Nachmittag auch Aaron Kersting, Hendrik Hoppe und Daniel Berendes mitwirkten.

Die erste Riesenchance hatten zur Überraschung der Gastgeber eben nicht diese, sondern unsere Jungs in Person von Kevin Voß: Er mogelte sich über die halblinke Seite in den Strafraum und nutzte aus, dass sich die Hausherren noch nicht ganz formiert hatten. Mutterseelenallein stand er dem Keeper des SSV gegenüber, scheiterte jedoch an diesem, da letzterer die Ruhe behielt und gekonnt abwehren konnte (2.). Was für eine Chance, das wäre ein Auftakt nach Maß gewesen. Doch schon hier deutete sich an, dass man nicht nach Herlinghausen gereist war, um als Lamm zur Schlachtbank geführt zu werden.

In der Folge wurden die Gastgeber aktiver, kamen zu zwei Gelegenheiten, zunächst scheiterten sie an der eigenen Präzision, als sie nach Angriff über halblinks lediglich das Außennetz trafen (5.) und wenig später per Distanzschuss knapp über den Querbalken schossen (9.).

Nach genau einer Viertelstunde abermals eine riesige Chance für unsere Mannschaft: Der letzte Mann der gastgeber verschätzte sich bei einem Kopfballduell mit Daniel Berendes, wodurch dieser urplötzlich ganz allein auf das Heimtor zusteuern konnte. Doch freistehend jagte er den Ball im Stile von Thors Hammer über die Latte, anstatt wie eine filigrane Fee liebevoll einzuschieben. Daniel als filigrane Fee, das wär was gewesen…

Nachfolgend erhöhten die Gastgeber den Druck, kamen vermehrt zu Chancen. Nach 21 Minuten konnte Florian Niggemann im Tor den Ball schön parieren, indem er sich nach einem Flachschuss aus der linken Strafraumhälfte ganz lang machte und sehenswert mit dem Fuß abwehrte. Drei Minuten später ging es im SVB-Strafraum hoch her, bis Matthias Niggemann die Nase voll hatte und den Ball zum Entsetzen seiner Verteidiger nur wenige Millimeter über die Latte jagte. Ich nenne diesen Einsatz präzise Souveränität. Den folgenden Eckball fing unsere Hintermannschaft ab und den Konter über die linke Seite schloss Daniel Berendes ab, indem er versuchte, den etwas zu weit vor dem Tor stehenden Keeper zu überlisten. Doch der Schuss aus sicherlich 30 Metern landete nur auf dem Gehäuse.

Genau nach einer halben Stunde brachen die Gastgeber aber doch den Bann, nach einem Angriff über halblinks flankten sie flach nach innen, wo am langen Pfosten ein Angreifer hereinrückte, sich lang machte und am chancenlosen Florian vorbei das 1-0 erzielte. Was nun folgte, war zunächst die musikalische Grütze, die die bedauernswerten Fans von Borussia Mönchengladbach schon seit Äonen von Jahren ertragen müssen. Dann erzählte der freundliche Herr am Mikrofon irgendwas von „Gut Ding will Weile haben“ (oje) und verkündete das Tor mit der Emotion eines kurz vor Feierabend stehenden und daher gerade erwachten Finanzbeamten.

Wir hingegen trauerten den beiden hochkarätigen Chancen aus der ersten Viertelstunde nach. Bis zur Halbzeit versuchten die Gastgeber, eine Art Vorentscheidung herbeizuführen, doch zweimal stand der gut aufgelegte Florian im Weg, wobei er einmal abermals klasse mit Fußabwehr parieren konnte (43.). Zumeist war unsere Hintermannschaft um Abräumer Thomas Pooch (der einmal einem ihm zu enteilen versuchenden Angreifer sowas von gekonnt weltmeisterlich den Ball abluchste) und Kapitän Jens Ehle aber Herr der Lage.

Zwischenzeitlich war der SVB auch einmal in des Gegners Strafraum unterwegs, und als schwerkraftbedingt Kevin einmal über dem Torwart zu Fall kam, monierte ich lautstark, dass das „der klarste Strafstoß der Fußballgeschichte“ war, was Friedrich ungezogener Weise ignorierte und den Torwart ein wenig auf die Palme brachte, so dass er in meine Richtung raunzte, ich solle mir doch einmal ein Fußballspiel ansehen. Ich werde diesen Rat beherzigen, aber mir fehlt leider oft die Zeit. Kann also noch etwas dauern.

Eine weiteren Vorstoß über links außen unterbrach Bernhard Schwiddessen wutentbrannt, da er monierte, dass ihm bereits zum dritten Mal ein Gegenspieler von hinten in die Hacken getreten habe.

Halbzeit

Schwene war bereits länger verschollen, kam einfach nicht wieder, um die um mich herum versammelten dehydrierten Seelen (ich selber übte mich an diesem Nachmittag in solider Askese) mit Nachschub zu versorgen. Wieder zurückgekehrt, bewies er deutliche Schwächen in Mathematik, vier, fünf, acht, eintausend, ist doch auch egal.

Nach dem Seitenwechsel hatte Spielertrainer Andreas Richter genug von seiner Leistung, hatte genug von sich gesehen und brachte für sich Altmeister Henning Schümann, dessen akrobatische Warmmach-Verbiegungen nicht nur von Daniel Sommer staunend verfolgt wurden.

Zwar machte der SSV erst einmal da weiter, wo sie zuvor aufgehört hatten und versuchten, in Richtung SVB-Tor zu kommen, was zunächst aber nicht gelang. Auch unsere Jungs versuchten immer mal wieder, Nadelstiche zu setzen und so kam Matthias Niggemann nach Flanke von links zu einem Kopfball, doch er bekam so recht keinen Druck hinter den Ball, so dass der Keeper keine Mühe hatte.

Doch nach 58 Minuten jubelten abermals die Hausherren: Angriff über die rechte Seite, der Spieler kam unbehelligt zum Flanken, am langen Pfosten lauerte ein Mitspieler und dieser schob mit dem langen Bein ein, eigentlich eine spiegelverkehrte Dublette des 1-0. Blöderweise stand es nun 2-0. Und wieder der Finanzbeamte, der den neuen Spielstand verlas wie eine Steuererklärung, nur nicht ganz so witzig.

Der Rest des Spiels ist schnell erklärt, Herlinghausen spielte seinen Stiefel nun souverän runter, kam noch zu der einen oder anderen Gelegenheit, die sie aber entweder neben das Tor setzten (65., 68.) oder Florian war zur Stelle (72., 76.).

Andi leistete die gesamte zweite Hälfte Aufbauarbeit, um Rückkehrer Tobias Wagemann zur Einwechslung zu motivieren, letztendlich gelang dies, zur Strafe musste er sich aber selbst wieder einwechseln (75.), für sie verließen Matthias und Daniel das Spielfeld.

Tobias jagte aus rund 25 Metern halblinker Position sogar noch einmal den Ball in Richtung Tor, doch verfehlte das Ziel knapp. DAS wäre mal ein Wiedereinstand gewesen. Letztendlich blieb es beim 2-0 und pünktlich pfiff Friedrich Niemeier das Spiel ab. Dieser leitete die Partie gewohnt souverän, wenn man ihm etwas vorwerfen möchte, dann nur, dass der in zwei Situationen unweit des gegnerischen Strafraums agierende SVB jeweils einen Freistoß hätte zugesprochen bekommen müssen, als der Gegner den Fuß draufhielt. Aber ansonsten war es ein äußerst faires Aufeinandertreffen ohne jedwede Karten, in dem sich unsere Zweite mehr als achtbar geschlagen und teuer verkauft hat.

Abpfiff

Entsprechend zufrieden waren die Jungs nach dem Spiel, mit einem Quäntchen mehr Glück hätte man den Tabellenführer noch mehr ärgern können als so schon. Aber das Spielfeld konnte die Mannschaft in jedem Fall erhobenen Hauptes verlassen.

Während ich den Spielort umgehend verließ, blieb die Mannschaft noch ein Weilchen und delektierte sich an den feilgebotenen Kaltgetränken aus dem Zapfhahn, was unseren Jungs bei den Gastgebern nicht nur auf, sondern auch neben dem Feld Respekt und Anerkennung einbrachte.

Das war eine Leistung, auf die man aufbauen kann.

Am kommenden Sonntag geht es mit einem Heimspiel gegen SuS Gehrden/Altenheerse II aka Gehrdener Schwalben weiter, ehe wir alle dann zum richtungsweisenden Spiel unserer ersten Mannschaft beim Tabellenletzten FC Neuenheerse/Herbram reisen werden.

Wird Zeit, dass Fußball ist. Gruß an den Keeper, vielleicht gucke ich sogar hin ⚽️

Nur der SVB!