Werner spricht: “Ein Verein am personellen Limit!” Auswärtsspiel beim TuS Vinsebeck

Wie so oft in den vergangenen Jahren bringt es der Spielplan im April mit sich, dass es durch einige noch zu absolvierende Nachholspiele aufgrund von Ausfällen im zurückliegenden Spätherbst zu der einen oder anderen englischen Woche kommt. So war es dann auch am vergangenen Wochenende für unsere erste Mannschaft, die nach dem aufregenden Spiel am Freitag in Hembsen bereits am gestrigen Sonntag wieder antreten musste, diesmal auswärts bei TuS Vinsebeck.

Zeitgleich musste unsere zweite Mannschaft bei Preußen Daseburg antreten, dem aktuellen Tabellenzweiten, der als einziger mit dem Tabellenführer SV Menne Schritt halten kann und wie eine Klette an diesem hängt.

Durch den parallelen Anpfiff jeweils um 15 Uhr muss sich der geneigte SVB-Fan leider immer für eine der beiden Mannschaften entscheiden und im Umkehrschluss fehlen den jeweiligen Teams die sonst übliche stattliche Anzahl Fans.

Ich entschied mich gestern für unsere erste Mannschaft und reiste mit nach Vinsebeck, was dann glücklicherweise das letzte weitere Auswärtsspiel war, alle weiteren Spiele in der Fremde sind verhältnismäßig nah.

Gegen 14 Uhr machte ich mich gemeinsam mit Torwartlegende Bernd Rohde auf, um die rund 44 Kilometer zum Spielort zu bewältigen. Bei wolkenverhangenem Himmel und immer noch kalten Temperaturen trafen wir eine Viertelstunde vor dem Anpfiff durch Schiedsrichter Ulrich Multhaup dort ein.

Schon ein erster Blick auf den Kader ließ vermuten, dass es eine schwierige Aufgabe würde, in Vinsebeck zu bestehen. Denn unsere Ausfallliste war lang:

Zu den Langzeitverletzten Lovis Wagemann & Dennis Kriwet
gesellten sich Jaspar Wagemann, Daniel Wulf & Lars Hoppe, der sich noch kurzfristig verletzt gemeldet hatte.

Gesperrt waren durch die Karten am Freitag Roland Seewald, Daniel Schäfers & Toni Norberts.

Die Ausfallliste war somit enorm lang und so war es für das Trainerteam Gockeln/Schade vermeintlich ein leichter Job, denn die Mannschaft stellte sich nahezu von allein auf. In die Mannschaft rückten wieder Lukas Pieperling, Daniel Berendes und Bernhard Schwiddessen sowie Ralf Haurand, auf der Ersatzbank nahm neben dem immer noch nicht wieder zu 100% fitten Hendrik Hoppe der 1. Vorsitzende Florian Beckmann Platz.

Auf Vinsebecker Seite waren etwa 40 Zuschauer anwesend, während von Bonenburger Seite auf beide Spielfeldseiten verteilt ca. 20 Zuschauer unsere Mannschaft unterstützen wollten. Mehr Fanzuspruch wurde vermutlich auch durch das miese Wetter verhindert, es war bedeckt und windig und im Verlauf des Spiels fing es zu allem Überfluss auch noch an, leicht zu regnen, so dass man nach Abpfiff schön durchgefroren und durchnässt war.

Vom pünktlichen Anpfiff an war Vinsebeck, welches am Freitag gegen Altenbergen-Vörden mit 1-2 den Kürzeren gezogen hatte, aber natürlich weiterhin auf den zweiten Tabellenplatz schielte und somit unter erheblichem Zugzwang war, die aktivere Mannschaft und darum bemüht, Spiel und Gegner kontrollieren. In der Anfangsphase spielten nur die Hausherren, kamen zu einem Eckball nach dem anderen, doch Lutz konnte mehrfach Schüsse entschärfen oder die Ecken direkt abfangen (3., 5., 7.), eine andere Ecke landete auf dem Tor (8.).

In der Situation in der 5. Minute prallte Lutz mit einem gegnerischen Angreifer zusammen und musste kurz behandelt werden, konnte aber weitermachen.

Ein erster Entlastungsangriff unserer Mannschaft folgte in der 9. Minute, doch Julian Meyers Schuss ging doch deutlich am Ziel vorbei. Letzterer führte an diesem Tag die Mannschaft als Kapitän, er vertrat den etatmäßigen und an diesem Tage ausgefallenen Amtsträger Lars Hoppe.

In der Folge spielte weiter nur Vinsebeck, nach 14 Minuten konnte Lutz eine scharf vors Tor gezogene Ecke über die Latte drücken, ein unmittelbar nachfolgender Angriff der TuS landete knapp links neben dem Tor (15.).

Nach rund 20 Minuten eine weitere Schrecksekunde für den SVB: Julian blieb nach einem Zweikampf liegen, offensichtlich war er auf die erst kürzlich verletzte Schulter gefallen, aber auch er konnte nach kurzer Behandlung weiterspielen.

In der 24. Minute dann die bisher größte Chance für Vinsebeck: Lutz konnte einen strammen Schuss parieren, aber nicht festhalten und ein gegnerischer Angreifer rauschte heran – doch er nagelte den Ball enthusiastisch über das verwaiste Tor.

In der Folge konnte man eine Szenerie beobachten, die sich x-mal wiederholte: Nach einem Fehlschuss Vinsebecks – die meisten gingen doch deutlich über oder neben das Tor – rannte Lutz irgendwo hinter dem Tor herum und suchte nach dem Ball. Zumindest dort wäre ein Ballfangnetz hilfreich.

Auch durch diese sich wiederholenden Vorgänge verlor Vinsebeck etwas den Faden. Sie spielten bei weitem nicht gut, hatten aber durch viele Standards immer wieder Chancen. Herausgespielt war dabei so gut wie nichts. Dennoch hatten sie einen Ballbesitz von sicherlich 80%. Doch bis hierher hielt unser Bollwerk.

In der 40. Minute wäre der Plan, gezielt durch Gegenstöße Nadelstiche zu setzen, um ein Haar aufgegangen, doch der Pass aus dem Rückraum auf den startenden Tobi Ricken geriet einen Tick zu lang und der Torwart kam vor Tobi an die Kugel.

Beim letzten Angriff der Vinsebecker vor der Pause glänzte der gewohnt ruhig und solide spielende Bernhard Schwiddessen, als er den Angreifer auf der linken Abwehrseite in Weltklasse-Manier stellte und ganz alt aussehen ließ.

Bedingt durch unzählige Ballhol-Unterbrechungen und die beiden Verletzungspausen ließ der Schiedsrichter nicht zu Unrecht etwa sechs Minuten nachspielen, so dass alle in Richtung Verkauf strömten. Nur Bernd und ich harrten im nervenden Mistwetter aus.

Nach der Pause erhöhte Vinsebeck wieder den Druck und legte es nun darauf an, den aus ihrer Sicht überfälligen und aus unserer Perspektive vollkommen unverdienten Führungstreffer zu erzielen.

Wieder belagerten sie das Bonenburger Tor und unsere Mannschaft konnte bis zur 52. Minute dem Dauerdruck standhalten, doch dann fiel es doch. Einem Vinsebecker, der unweit der Strafraumgrenze zentral lauerte, fiel die Kugel direkt auf den Fuß, dieser fackelte nicht lang und vollstreckte, indem er mittels tückischer Bogenlampe genau zwischen Lutz und die Unterkante der Latte traf. 1-0 für Vinsebeck. Großer Jubel natürlich gegenüber, nun ja. War vielleicht verdient. Ein bisschen.

Von diesem Erfolgserlebnis angespornt, war Vinsebeck auf die schnelle (Vor-)Entscheidung aus. Zunächst konnte Lutz zweimal glänzend Flachschüsse parieren (54., 55.), doch Sekunden später war er machtlos. Vinsebeck spielte von links den Ball in den Bonenburger Strafraum, der dort mittig zum Tor stehende Bernhard lenkte den Ball unglücklich und unhaltbar für Lutz ins eigene Tor. 2-0 für Vinsebeck, Doppelschlag.

Dies soll Bernhards ansprechende Leistung aber nicht schmälern. Ansonsten war er stets zuverlässig und ein umsichtiger Verteidiger, dieses Ding war einfach Pech. Passiert.
Fast wäre es noch schlimmer gekommen, doch abermals Lutz konnte einen tückisch von einem Bonenburger Abwehrbein abgefälschten Ball abfangen (57.). Und auch in der 61. Minute behielt Lutz die Oberhand, als er einen platzierten Kopfball eines freistehenden Vinsebecker Angreifers mit einer Hand an die Querlatte lenkte, von wo aus die Kugel ins Aus ging.

In der 65. Minute die erste echte Chance für den SVB, nach einem über Lukas Pieperling, Tobi und Daniel Berendes verlaufenden Gegenangriff gab es zunächst Eckball für den SVB. Dieser kam gut, doch der Keeper der Hausherren konnte mit Mühe klären. Während dieser so im Strafraum herumstürzte, brachte er im Vorüberrutschen den aufgerückten Bernhard zu Fall. Proteste auf Bonenburger Seite – nicht zu Unrecht, es soll Schiedsrichter geben, die haben in vergleichbaren Situationen auf den Punkt gezeigt.

Im direkten Gegenzug schoss Vinsebeck mal wieder auf das Tor, doch Lutz war erneut zur Stelle. Er machte an diesem Nachmittag einen klasse Job.

An diesem tristen Nachmittag gab es dann doch eine Szene, die zum Schmunzeln anregte. Lukas Pieperling brachte in einem Zweikampf seinen Gegenspieler zu Fall, als er diesem die Hand reichte, um beim Aufstehen zu helfen, verwandelte er diese sich bietende Chance und vollstreckte eiskalt, indem er seinem verdutzten Gegenüber dessen nicht zu leugnende Ähnlichkeit mit Kevin de Bruyne unter die Nase rieb. Großes Hallo auf unserer Seite, die Szene spielte sich unmittelbar vor unseren Augen ab. Auch der betreffende Spieler musste grinsen, den hatte er nicht kommen sehen. Nummer 5 lebt.

Auf dem Spielfeld passierte nicht mehr ganz so viel, Vinsebeck ließ etwas nach, auch weil unsere Jungs nun sicher verteidigten. Kam etwas durch, war Lutz zur Stelle (76.).

Kleines Highlight gegen Ende, als eine Minute vor Ablauf der regulären Spielzeit Florian Beckmann für den erschöpften Daniel Berendes, der sich in dieser schwierigen Partie aufgerieben hatte, noch auf einige Einsatzminuten kam, und nur kurz nach seiner Einwechslung aussichtsreich vor dem gegnerischen Torwart stand, doch der ihm zugedachte Pass war nicht genau genug.

Den Schlusspunkt setzte dann noch einmal Vinsebeck, als sie schon in der Nachspielzeit noch auf 3-0 erhöhten. Interessierte aber uns zumindest nicht mehr so wirklich.

Unmittelbar danach beendete der Schiedsrichter die Partie, was Bernd mit den Worten “Hätteste auch vorher abpfeifen können” kommentierte.

Letztendlich ein ohne Frage verdienter Sieg für Vinsebeck, doch angesichts der eklatanten Personalmisere haben sie sich ordentlich verkauft. Dieses allerletzte Aufgebot hat die Null so lange gehalten, wie es eben ging – mehr war an diesem Nachmittag einfach nicht drin.

Als ich ziemlich durchgefroren wieder zuhause eintraf, war mein erster Blick auf das Endergebnis beim Spiel unserer Zweiten. Ich hatte noch nichts aus Daseburg gehört, als ich den Endstand dann sah, wusste ich auch, warum:

Personell ebenfalls arg gebeutelt kam unsere Mannschaft dort mit 0-14 (0-9) unter die Räder. Schon nach 21 Minuten war die Messe gelesen, da führte Daseburg bereits mit 6-0.

Zusätzlich musste auch noch Kapitän Daniel Sommer, der eh schon angeschlagen ins Spiel gegangen war, nach einer guten Viertelstunde verletzt ausgewechselt werden.

Der bedauernswerte Ugur Tokgöz, der die undankbare Aufgabe des Torhüters übernommen hatte, verdiente sich ein Sonderlob, weil er trotz des gegnerischen Dauerfeuers durchgehalten und alles gegeben hat, wie mir der Kapitän berichtete. Ferner lobte dieser die gesamte Mannschaft, die sich trotz der an diesem Tag begrenzten Möglichkeiten nicht aufgegeben oder sich nicht dazu hinreißen hat lassen, sich selbst zu zerfleischen – und zu jedem Zeitpunkt versucht hat, dagegenzuhalten.

Das war ein Spiel, das man getrost schnell vergessen kann und sollte, selbiges gilt für die erste Mannschaft. Die Personalsituation wird sich hoffentlich schnell entspannen, davon werden dann auch beide Mannschaften profitieren.

Denn nun beginnen die entscheidenden Wochen der Saison – absolute Unterstützung unserer Teams ist nun gefragt.

Am Donnerstag geht es bereits für unsere erste Mannschaft gegen Westheim weiter. Dann gilts. Es gibt viel zu tun, packen wirs an!

Nur der SVB!

Euer Werner